Wo die Liebe hinfällt

Premiere „Sommernachtstraum“ des Theaters Konrad im Pfarrsaal St. Peter und Paul

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(Premierenkritik in der Landshuter Zeitung vom 31.10.2011 von Hanne Wendleder)

Sich eine Auszeit vom kalten, trüben Herbst zu nehmen, das wünschen sich viele. Die einen steigen in den Flieger gen Süden. Andere lassen sich von Shakespeares „Sommernachtstraum“ verzaubern. So geschehen bei der Premiere des Klassikers durch das Theater Konrad. Der voll besetzte Pfarrsaal St. Peter und Paul verwandelte sich schnell in die irrlichternde Phantasiewelt eines Athener Palastes und von Elfen bevölkerten Zauberwaldes.

Die Geschichte des Traums ist schnell erzählt. Um die Liebe geht es, die wahre, die eingebildete, aber auch verbotene und verschmähte. Zwei junge Paare verstricken sich in ihr und kommen erst nach dem Einsatz von allerlei Zauber in der richtigen Konstellation zusammen. Die weltlichen Herrscher, Theseus (Hans Spornraft) und Hippolyta (Irmgard Bogenberger), setzen die Paare unter Druck, indem sie das Gebot der Sitte einfordern. Auf ihrer Flucht geraten die unterschiedlich Liebenden in den Elfenwald, wo das Elfenkönigspaar Titania (Petra Woidy-Kellner) und Oberon (Florian Leitl) in einer Beziehungskrise steckt. Oberons Diener Puck (Michael Deppisch) genießt es , mit seiner Zauberkraft zusätzliche Verwirrung zu stiften. Inmitten dieser Konflikte beschließen sechs tumbe Handwerker dem weltlichen Königspaar ein Liebesdrama vorzuspielen. Die Verbindung der beiden Komödien gestaltet der selbstgefällige Meister Zettel (Wolfgang Seitz), den Puck in einen Esel verwandelt. Durch jede Menge Zaubersamen verliebt sich Titania ausgerechnet in jenes Grautier. Und sie ist von ihrer Entgleisung dermaßen geschockt, dass sie sich mit Oberon letztlich wieder versöhnt. Den Schluss gestaltet das naive Spiel der Handwerker, welche den tragischen Aspekt der Liebe ins Lächerliche umkehren.

Die Inszenierung durch die neue Leitung des Ensembles, Petra Woidy-Kellner und Michael Deppisch, hebt besonders den zauberhaften Aspekt des Stückes hervor. Dazu zählen vor allem die aufwendigen Masken und Kostüme der Elfenschar, für die Petra Woidy-Kellner und Luise Kobl verantwortlich sind. Durch geschickten Einsatz der Lichttechnik seitens Stefan Leckebusch wird die romantische Traumatmosphäre betont. Auch die Bespielung des Zuschauerraums setzt überraschende Akzente. Die vom Ensemble konzipierte und von Hans Spornraft ausgeführte Bühne unterstützt das flotte Spiel um Schein und Sein. Hier hob sich besonders Michael Deppisch als Puck hervor, der mit enormem Körpereinsatz durch die Handlung sprang. Überhaupt verstanden es die immerhin 23 Mitwirkenden, ihre Rollen mit Präsenz und Spiellaune zu versehen. Vom Schrei der wütenden Hermia (Romina Bunzel) über Titanias (Petra Woidy-Kellner) verunglücktes Schäferstündchen mit dem zum Esel verwandelten Zettel (Wolfgang Seitz) bis zum ironisch gebrochenen Selbstmord des als Thisbe verkleideten Handwerkers Flaut (Josef Wiesmüller) setzt die Herbstproduktion des Theaters Konrad äußerst vergnügliche Glanzlichter. Genau richtig, wenn man einem kalten, trüben Herbsttag entkommen will.